Visselhövede gestern und heute

Die Stadt Visselhövede kann auf eine lange und bewegte Vergangenheit zurückblicken. Bevor Visselhövede durch seine erste urkundliche Erwähnung in das Licht geschichtlichen Bewusstseins trat, hatten sich in unserer Heimat und in der näheren Umgebung während vieler Jahrhunderte Generationen von Völkern niedergelassen und das Land kultiviert. Bodenfunde solcher frühen Ansiedlungen finden sich noch heute in den umliegenden Feldern und Wäldern von Visselhövede. Wann der eigentliche Ort entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr genau ermitteln, doch dürfte dies wahrscheinlich erst im oder nach dem 9. Jahrhundert n. Chr. geschehen sein.

Dies war die Zeit fränkischer Herrschaft in Germanien, die, nachdem die Römer und Alemannen besiegt und teilweise vertrieben waren, der heidnischen Bevölkerung auch das Christentum brachte.

So wurde die Visselquelle, einstige Opferstätte heidnischer Stämme, zur religiösen Kultstätte mit einer kleinen Kapelle. Um diese Kapelle herum bildete sich um Laufe der Zeit die ursprüngliche Siedlung Visselhövede. Der Name wird als Visselhaupt oder -quell, aber auch als „Gehöft an der Vissel“ gedeutet. Den ersten schriftlichen Nachweis des Ortes finden wir in einer Abhandlung um 1184 als dem damaligen „Wisselhovede“, in einer zweiten Urkunde von 1258 wird von „Vislehovede“ gesprochen. 30 Jahre später, im Jahr 1288, kam Visselhövede durch eine Schenkung von Albrecht II. von Sachsen an den Bischof Conradi von Verden unter dessen Herrschaftsbereich. 1450 wurde Visselhövede von seinem Landesherrn Bischof Johann von Ansel zum Flecken mit Markt- und Weichbildrechten ernannt. Bischof Erhard von Holle verlieh im Jahr 1581 Wappen und Siegel. Im Zuge der Reformation wurde 1567 anstelle des katholischen Bischofs ein protestantischer eingesetzt und Visselhövede erhielt einen evangelischen Pastor.

Als der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 über das Land tobte, versuchte erneut ein katholischer Bischof, die Menschen von dem neuen Glauben abzuwenden. Ein Versuch, der mit der Ermordung des Jesuitenpaters Arnoldi im Jahr 1631 scheiterte. Trotz des furchtbaren Unheils und der schweren Schicksalsschläge, hervorgerufen durch Plünderungen und Brandschatzungen feindlicher Soldaten, hielten die Menschen fest an ihrer Lehre. Nach Kriegsende wurde das Bistum Verden aufgelöst und als neues Herzogtum Verden an Schweden angegliedert, so dass auch Visselhövede schwedisch wurde.

Zahlreiche Brände in den folgenden Jahrzehnten, meist verursacht durch zu dichtes Nebeneinanderstehen der Strohdachhäuser, vernichteten neben etlichen Gebäuden und Teilen der Kirche auch viele historische Unterlagen des Ortes.

Visselhövede gehörte in der Folgezeit zum Herrschaftsbereich des Bischofs Galen von Osnabrück. Seit 1715 stand es unter der Oberhoheit der dänischen Krone, doch schon im Jahr 1719 kam es nach langwierigen Verhandlungen mit Dänemark zum Besitz des hannoverschen Kurfürsten Georg Ludwig, der gleichzeitig König von Großbritannien war.

Nachdem auch der Beginn des 19. Jahrhunderts von einigen kriegerischen Auseinandersetzungen gekennzeichnet war, brach nunmehr eine neue Entwicklung des Aufbaues und der technischen Errungenschaften für Visselhövede an.

War bislang die Landwirtschaft bestimmend gewesen, so begann nun die Industrialisierung auch im hiesigen Raum ihren Einzug zu halten. Vorteilhaft wirkte sich der Anschluss an die Eisenbahnstrecke Bremen-Berlin (1873), nach Walsrode / Hannover (1890) und nach Rotenburg / Hamburg (1906) aus.

Im wirtschaftlichen wie im sozialen und schulischen Bereich wurde in den letzten Jahrzehnten viel getan, was Visselhövede zu einer aufstrebenden Stadt, wie es sich seit 1938 bezeichnen darf, werden ließ. Als die tiefen Wunden des Zweiten Weltkrieges – noch die letzten Kriegstage forderten das Leben von über 50 jungen deutschen Soldaten und die Zerstörung von 80 Häusern – vor den neuen Aufgaben immer mehr in den Hintergrund gerückt waren, setzte eine Entwicklung ein, die die Stadt mit ihren Industriebetrieben auch über die Stadtgrenzen hinaus an Bedeutung gewinnen ließ.

Heute gehören zum Wirtschaftsbesatz überregional tätige Mineralstoff-, Mineralöl-, Flüssiggas- und Energietechnikbetriebe, ein Containerdienst-, Transport- und Entsorgungsunternehmen, leistungsfähige Handwerker, Möbelfabrikation, eine Druckerei und ein grafischer Betrieb, eine Spedition, die landwirtschaftliche Genossenschaft, Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen sowie Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen mit bundesweitem Betätigungsfeld.

Die Stadt Visselhövede bietet erschlossene Gewerbeflächen im Gewerbegebiet Celler Straße sowie Bauplätze in Baugebieten zu günstigen Konditionen an.

Für den Einkauf stehen zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte zur Verfügung, die über die heutige Kernstadt und die umliegenden 14 Ortschaften verteilt sind.

Seit 1972 ist Visselhövede Garnisonsstadt.

Kultur-, Sport- und Erholungsstätten vervollständigen das Bild eines modernen, kleinstädtischen Gemeinwesens, das seinen Bürgern und Besuchern zu bieten versucht, was unsere fortschrittliche Zeit erforderlich macht und sich anschickt dank seiner landschaftlich reizvollen Lage und des milden Reizklimas mit maritimen Einflüssen immer mehr zu einem gern aufgesuchten Erholungsort zu werden.

Diesem Zweck soll auch das Hallenbad sowie das Heimathaus dienen.

Die großzügig angelegten Visselseen mit ihren Anlagen laden zu Spaziergängen ein.

An modernen schulischen Einrichtungen weist Visselhövede drei Grundschulen, eine Oberschule mit gymnasialem Angebot sowie eine Außenstelle des Ratsgymnasiums Rotenburg mit entsprechenden Turnhallen auf.

Die 80er- und 90er-Jahre waren in der Stadt Visselhövede geprägt vom Strukturwandel in Industrie und Landwirtschaft. Bedeutende Traditionsbetriebe (Sonnentau-Bonbons Winkelmann, Maack-Wagen, von Deylen-Zündhölzer) schlossen ihre Pforten, ebenso wie zahlreiche Höfe in den Dörfern. Nunmehr wurde versucht, die Attraktivität des Standortes durch Maßnahmen in der Stadtsanierung und Dorferneuerung zu erhalten bzw. wiederzubeleben. Seit Mitte der 90er-Jahre wurde die Dorferneuerung mit den Ortschaften Jeddingen und Nindorf begonnen. Zahlreiche weitere Ortschaften warten auf die Aufnahme in das entsprechende Programm. Im Jahr 2001 konnte mit der Stadtsanierung begonnen werden. Viele Maßnahmen in der Innenstadt wurden seitdem durchgeführt. Öffentliche Institutionen und Privatpersonen profitieren davon. Auch konnte das leerstehende Traditionsgelände Winkelmann wiederbelebt und zum „Vissel- & Sonnentaucampus“ u.a. mit einem Wasserturm für Kunstausstellungen entwickelt werden. Neue Gewerbe- und Siedlungsflächen konnten ebenso ausgewiesen und einer entsprechenden Nutzung zugeführt werden. Betriebsansiedlungen bzw. Erweiterungen sowie zahlreiche private Bauvorhaben geben zu einem gesunden Optimismus Anlass.

Seit 2001 ist Visselhövede Mittelpunkt der „Hohen Heide“. Die Region Hohe Heide ist der ländliche Raum im Zentrum des Städtedreiecks Hamburg, Bremen und Hannover. Sie ist eine von 17 Regionen in Niedersachen, die im Rahmen der EU-Gemeinschaftsinitiative LEADER+ gefördert werden. Hauptziel dieses Konzeptes ist die Verbesserung der Lebensqualität in der Region Hohe Heide.