Visselhövede mit dem zweiten Blick entdecken

Wirtsgattin Minna zeigt ab sofort Interessierten ihre Stadt

Almuth Quehl bietet Führung durch Visselhövede

Den Autolärm wegdenken, die Leuchtreklame ignorieren, an den modernen Bauten vorbeigucken und bei den gewohnten Anblicken genau hinsehen – wer dazu bereit ist, kann mit Almuth Quehl in Visselhövede eine spannende Reise in die Vergangenheit antreten. Die Kirchwalsederin bietet ab sofort historische Stadtführungen im Kostüm an.

Als Wirtsgattin Minna zeigt die ausgebildete Gästeführerin der Arbeitsgemeinschaft Gästeführungen im Landkreis Rotenburg Interessierten ihre Stadt. Das Besondere: Sie erklärt nicht einfach, was der Teilnehmer gerade sieht, sie tut dies, als ließe die Gruppe sich um 1900 durch den Ort führen. "Im vergangenen Jahr haben wir Gas bekommen. Ist schon eine feine Sache. Aber manche haben auch Angst, weil das ja explodieren könnte“, sagt sie an der Ecke Süderstraße/Schäferstraße. Ein paar Schritte vorher deutete sie auf das Gasthaus zur Visselquelle, das gerade erst zu einem Gasthaus geworden ist. "Früher war das mal ein Zollhaus.“

Die Kirche, die alte Seilerei am Ottinger Kirchweg, die Landwirtschaftsschule und die Alte Apotheke sind weitere Stationen. Und hinter der Alten Apotheke? Da zeigt sie der Gruppe die älteste Kneipe der Stadt.

Der ein oder andere Passant dreht sich schon zu der Gruppe um. Ganz in Schwarz mit einem kleinen Täschchen am Handgelenk und dem eleganten Hut auf dem Kopf fällt Minna auf. Und mit ihr unweigerlich auch die Teilnehmer der Gästeführung. Die stehen nämlich oft an Stellen, wo es doch eigentlich gar nichts zu gucken gibt – auf den ersten Blick. Und dieser zweite Blick ist es, der die Führung auch und gerade für Einheimische so interessant macht. Da gibt es wirklich eine Menge zu entdecken und zu erfahren.

Besonderes Augenmerk legt Quehl auf die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes. Denn die ist um die Wende zum 20. Jahrhundert wirklich beachtlich: Fabriken bieten den Menschen Arbeit, zahlreiche Gaststätten florieren – Visselhövede gilt als wohlhabender Ort.

Und so führt der Spaziergang durch die Stadt am Ende auch auf das Sonnentaugelände. "Wo Milch und Honig fließen“, so lautet der Titel der offenen historischen Stadtführung. Die dauert etwa eineinhalb Stunden, beginnt immer an der Kirche und findet jeden 3. Samstag im Monat um 15.00 Uhr statt. Gruppen können unter Telefon 04269/104446 gerne auch gesonderte Termine vereinbaren.

 

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Fotos: Thomas Hartmann