Lüdingen

Das kleine Bauerndorf Lüdingen liegt am Nordwestrand des Visselhöveder Stadt- bzw. Gemeindegebietes. Die Entstehung der alten Ortsbezeichnung des Dorfes „Luden – Ludenn – Lüden“ ist unklar, sie kann auf eine Flurbezeichnung, aber auch auf einen Personennamen „Lüder“ zurückgehen. Der Siedlungsraum um den durchfließenden Bach wurde bereits 1374 „in villa Luden„ bezeichnet. 1394 verkauft der Verdener Bürger Hinrich Brunes seinen vom Vater ererbten Hof an Ludeken Gherbertes, wohnhaft „tho Luden“. 1414 verkauft die Adelsfamilie Schlepegrell dem Verdener Domkapitel einen Lüdinger Hof, den Friedrich Vrochtenicht bewirtschaftete. 1589 wird der Sundermannshof erwähnt, welcher von Eggert Sundermann bewirtschaftet wird. In den Verträgen wird der Ort noch mit „Lüden“ angegeben, erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wird die Endung „ingen“ angefügt.

Bis zur Agrarreform im Jahre 1831 bestand die landwirtschaftlich genutzte Fläche des Dorfes aus einer nahe gelegenen kleinen Ackerfläche und einigen minderwertigen Wiesen. Wohin das Auge blickte, war sonst überall Heide. Die Bewirtschaftung der Ackerfläche erfolgte gemeinsam. Zur Hofhaltung gehörten Schaftherden und ca. 4-6 Schweine. Ende des 19. Jahrhunderts standen in der Feldmark noch einige halb verfallene Schafställe, letzte Zeugen vergangener Zeiten. Auf den Höfen wurde auch Großimkerei betrieben. An geschützten Stellen am Wald standen ausgedehnte Bienenzäune. Alte Flurnamen, wie Hanschens Imknick oder alter Immzaun, erinnern an diesen Erwerbszweig.

In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Neuordnung des bäuerlichen Grundbesitzes, zusammen mit den nördlich gelegenen Ortschaften Riekenbostel und Hassel. Warum diese Orte gemeinsam geordnet wurden, kann u.U. auf den gemeinsamen Bachlauf zurückgehen, der nördlich von Hassel in die Rodau mündet. Dieser wird auch als „Hasselbach“ bezeichnet. Wie so oft gehen jedoch die Meinungen über den „richtigen Namen" auseinander. In Lüdingen wird er „de Düp“-Graben, in Riekenbosten „Viehbach“ genannt. Wie so häufig entspricht der in Karten aufgenommene Name nicht der Benennung durch die tatsächlichen Anwohner.

Bis ca. 1800 war Wittorf Schulort für die Lüdinger Kinder. Der 2,5 km lange Schulweg auf einem morastigen Koppelweg war sehr beschwerlich und bei starken Regenfällen oder Schneegestöber unpassierbar, so dass es zu Ausfällen kam. Im 19. Jahrhundert wurde daher in Lüdingen eine „Wanderschule“ auf den Bauernhöfen installiert. 1898 wurde eine eigene Schule errichtet, die bis 1966 bestand. Danach wurde Wittorf wieder Schulort.

Bis ins 16. Jahrhundert lassen sich die Familien der fünf großen Lüdinger Höfe zurückverfolgen. Zum Anfang des 19. Jahrhunderts siedelten sich zwei Holzarbeiter am Rande des „Hainhorst“ an. Um 1900 wurden außer dem Schulgebäude zwei weitere Neubauten errichtet. In den vergangenen 30 Jahren wurden einige der Pächter- und Arbeiterhäuser an Neubürger verkauft. Auch heute ist die Struktur des Ortes, geprägt von den fünf großen Hofstellen, erhalten geblieben. Auf allen Höfen wird weiterhin Landwirtschaft betrieben, allerdings ist die Zahl der in der Landwirtschaft Tätigen erheblich zurückgegangen.

Wegen seiner geringen Einwohnerzahl verfügt Lüdingen über kein eigenes Vereinsleben. Je nach Neigung hat man sich daher überwiegend Wittorfer Vereinen angeschlossen. Wie gut daher, dass der Lüdinger Dorfkrug von Annemarie Gerke als zentrale Einrichtung im Ort zur Verfügung steht. Am südlichen Ortsrand bietet Mata Pohl Reitunterricht für Island-Pferde an.

Entlang des Dahnhorstgrabens hat der Gleitsegelclub Weser e.V. sein Übungsgelände. Der Verein hat ca. 40 aktive Mitglieder. Gemäß Internet-Auftritt (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.gsc-weser.de) ist das ca. 1.300 m lange Nord-Süd-Gelände thermisch interessant und stressfrei ohne Hindernisse zu befliegen. Geselligkeit wird ebenfalls groß geschrieben.

Den Reiz des Ortes macht die Ursprünglichkeit des Dorfkerns mit den großen, von Eichen umgebenen Hofanlagen und die abwechslungsreiche Durchmischung von Feld und Wald in der Gemarkung aus.

Jäger wissen, dass der Raum Lüdingen / Riekenbostel zu den wildreichsten Gebieten (Damwild / Schwarzwild) des Landkreises gehört. Die Kirchwalseder Straße ist daher für Autofahrer zu einer Strecke mit besonders hohem Wildunfallrisiko geworden.